Kein Mensch ist aus Asphalt
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JUDITH

 

"Mein Helfersyndrom hat mich immer in die
falschen Arme getrieben."

 

Falsche Liebschaften trieben sie an die Nadel, Rache brachte sie in den Knast. Judith ist heute 52 und schaut auf ein Leben zurück, das wohl ganz Hollywood erschüttern könnte. Sie lacht und gibt zu: "Gelebt habe ich für drei Leben!" Doch nicht vieles lief für Judith positiv, ihre Achterbahn führte sie eher durch die Abgründe. Dabei war Judith einst die Vernünftige. Schloss nach der Schule eine Ausbildung zur Köchin ab, arbeitete sogar vier Jahre in Dubai, um sich berufliche Aufstiegschancen zu ermöglichen. Allerdings verfiel sie damals schon den falschen Männern. Ob Alkohol oder Heroin, das Angebot war dank ihres ersten Ehemannes und dem neugewonnenen Umfeld breit gefächert. Mit Mitte Zwanzig war sie fünffache Mutter. Ihre zwei Söhne starben kurz nach der Geburt, die drei Töchter sollten nicht lange im Elternhaus bleiben. Judiths eigene Eltern waren bereits kurz nach ihrem Schulabschluss ums Leben gekommen. "Es kommt der Tag, an dem dir alles egal ist", sagt Judith, "und dann willst du die Nadel doch mal ausprobieren. Immerhin glaubst du ja, dass du bestimmt nicht abhängig wirst."

 

"Ich hab fast die ganze Welt gesehen!"

 

Ihre erste Erfahrung als Obdachlose sollte nicht lang auf sich warten. Die Männer wurden gewechselt, und so mancher bot ihr dank krimineller Laufbahn ein Leben im großen Stil: Urlaube in Monaco, schicke Kleidung, Champagner. "Ich hab fast die ganze Welt gesehen", schwärmt sie rückblickend. Ihr fehlte es an wenig. Nach einem Entzug arbeitete sie als Sozialarbeiterin für Wohnungslose. Setze sich für diejenigen ein, deren Lebenswelt sie selbst erfahren hatte. Die Ereignisse zu sortieren fällt ihr aufgrund von diversen Entzügen, Heroin-Rückfällen und selbstschädigenden Lovestories schwer.

 

"Der Entzug vom Methadon ist schlimmer als der vom Heroin!"

 

Als eines Tages eine Frau aus Neid ihr Haus anzündet, übt Judith Rache. Auf grausame Weise. Sie wird inhaftiert und zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Dank ihrer Beziehung zum "Boss", wie sie sagt, hat sie jedoch hinter Gittern einen guten Stand. Dort gelingt ihr in all den Jahren nicht nur der Entzug vom Heroin, sondern auch vom Methadon. "Das war der schlimmere! Den will ich nie wieder haben!", erzählt Judith heute, immer noch clean.

Nach ihrer Entlassung flieht sie vor den angehäuften Schulden - erneut auf die Straße. Mittlerweile ist sie in einem Obdachlosenwohnheim untergekommen und will ihr Leben endlich wieder in den Griff kriegen. Das ist ihr früher schließlich auch oft gelungen. "Diesmal mache ich es richtig", schwört sie. Auch ihren Töchtern zuliebe, mit denen sie heute wieder Kontakt hat.

 

"Mein Männergeschmack bleibt einfach beschissen."

 

Auch wenn Judith ausschließen kann, dass sie das Heroin je wieder anfassen wird, ihr Männergeschmack, so ist sie sich sicher, wird immer "beschissen" bleiben. Vielleicht steht sie neben den Bad Boys auch einfach darauf, sich von der Straßenkante hin und wieder als Grande Dame zu erheben.