Kein Mensch ist aus Asphalt
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BODO

"Meine Mutter trank mich schwanger in die Behinderung,

mein Vater prügelte mich halb tot."

 

Bodo, 54, ist die gute Seele des Warmen Otto, einer Einrichtung für Wohnungslose. Über 40 Stunden arbeitet er pro Woche ehrenamtlich. Ob in der Kleiderausgabe, auf dem Trödelmarkt oder auf dem Parkplatz als Wächter. "Ich bin voll berufstätig", erzählt er stolz. 

 

"Zuhause waren wir im Krieg!"

 

Geboren wurde Bodo in Berlin Lankwitz, in ein Elternhaus, das ihn schon im Mutterleib mit Füßen trat. Die Eltern tranken täglich und ihr Sohn kam behindert zur Welt, fiel sogar ins Koma. Jegliche Chance auf eine normale Kindheit wurde Bodo bereits mit der Geburt genommen. Eingeschult mit 10 Jahren, konnte er sich kein soziales Netzwerk aufbauen. Kam er nach Hause, so schlich er leise, "wie ein russischer Agent", den Flur entlang, um nicht von seinem Vater erwischt zu werden. Dieser schlug ihn nahezu täglich, manchmal bis in die Bewusstlosigkeit. Seiner Schwester erging es nicht besser. Die Gewalt war bei ihr sexueller Natur. "Wir waren im Krieg", berichtet Bodo noch immer aufbrausend von seinem "Alten". "Irgendwann fing ich an mich zu wehren und erkämpfte mir vor Gericht einen Heimplatz!"

 

"Ich hatte die Schnauze voll, immer von anderen abhängig zu sein"

 

Die Lernbehindertenschule hat er wegen seiner schweren Epilepsie nicht abschließen können.  "Dabei war ich immer gut im Rechnen", betont er. Bodo nahm daraufhin Arbeitsmaßnahmen, z.B. als Textilreiniger, dankend an. Um ein selbstständiges Leben führen zu können, wurde ihm ein Betreuer zugeteilt. Doch er fühlte sich erneut eingeengt und ausgenutzt. "Meine Toilette lief über, die ganze Brühe kam hoch! Nichts hat der für mich in den Griff gekriegt", schimpft er. "Musste ich halt in die Kneipe gehen. Nach fünf Jahren bin ich den Betreuer losgeworden. Dann war die Wohnung auch weg." Wie das Verhältnis so eskalieren konnte und warum sich Bodo nicht um einen neuen Betreuer bemühte, bleibt unklar. "Ich hatte die Schnauze voll, immer von anderen abhängig zu sein", regt er sich immer noch in Rage. Die selbsterkämpfte Unabhängigkeit, über die er schließlich mit Stolz berichtet, führte den Frührenter 2004 auf die Straße. 

Hier, so sagt Bodo, fehle es ihm an nichts. Er hat einen Platz in einem Obdachlosenwohnheim bekommen. Als Helfer in den sozialen Einrichtungen ist er überall gern gesehen, wird menschlich geschätzt.

Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben.